Im que[e]r (Wipplingerstr. 23, 1010 Wien) wird es am Mittwoch 11. Mai eine Informationsveranstaltung mit Leuten vom Macker Massaker geben. Das Macker Massaker wird von 2.-5, Juni im AZ Mühlheim (D) stattfinden und soll dazu dienen, sich mit Männlichkeit(en), Mackertum und (Anti-)Sexismus auseinanderzusetzen. Alle nötigen Infos gibts auf der Website des Macker Massaker: http://mackermassaker.az-muelheim.de

Hier die Veranstaltungsankündigung für die Info-VA in Wien:

Hooliganverhalten auf der Demo? Nackte schwitzige Oberkörper auf Konzerten? Der ganze Raum um jeden Preis? Ätzendes, grenzüberschreitendes Mackerverhalten hat wohl jede_r von uns schonmal mitbekommen. Um solches Verhalten, den täglichen Sexismus und Männlichkeit(en) zu hinterfragen hat 2010 eine Gruppe von Menschen aus dem Ruhrgebiet das erste Macker Massaker im AZ Mülheim (D) veranstaltet.

Wie das Macker Massaker gelaufen ist und was euch vom 2. bis 5. Juni 2011 erwartet, wollen wir euch an diesem Abend erläutern. Des Weiteren freuen wir uns auf eine anregende Diskussion mit euch, wie Männer* dazu gebracht werden können, sich kritisch mit Männlichkeit(en), verschiedenen Sexismen, Rollenstereotypen und ihrer Sexualität und damit verbundenen Gefühlen auseinanderzusetzen.

Gemeinsam veranstaltet mit radicalqueer.net und Rosa Antifa Wien.

Um einen besseren Eindruck zu bekommen, was das Macker Massaker sein soll hier die Selbstdarstellung:

Wieso? Weshalb? Warum?

Eigentlich sollte ja davon ausgegangen werden können, dass Sexismus nach allen Bemühungen endlich mal vom Tisch wäre. Aber nein, auch nach 3 Wellen des Feminismus ist Sexismus noch immer ein Thema und gesellschaftliche Realität. Es ist nach wie vor so, dass gesellschaftliche Strukturen “männlich” dominiert sind. Noch immer erhalten “Frauen” weniger Gehalt für die selbe Arbeit, noch immer ist die Kindererziehung vollkommen selbstverständlich eine primär “weiblich” konnotierte Aufgabe, wird ausgrenzende, einengende und vornormierte Zweigeschlechtlichkeit sowohl unreflektiert als auch bewusst, wie auch gesellschaftlich, wissenschaftlich und persönlich, reproduziert und naturalisiert. Diese Tatsachen sind jedoch kein Geheimnis, sondern werden regelmäßig in der Öffentlichkeit diskutiert, die Fakten dazu statistisch erfasst. Jedoch erfolgt gesellschaftlich keine angemessene Reaktion hierauf, und selbst beim unterstellten guten Willen in Hinblick auf die Gleichberechtigung von “weiblich” und “männlich” definierten Menschen, ist kein gesellschaftlicher Wandel in Sicht. Ganz im Gegenteil erstarken wieder reaktionäre Männerbewegungen, nach deren Meinung „Frauen“ nichts besseres zu tun hätten, als bei der nächstbesten Gelegenheit „Männer“ zu unterdrücken. Teilweise gehen die Aussagen sogar soweit, von matriachalen Strukturen und einer bevorstehenden „Machtübernahme der Frauen“ zu sprechen. So wissen Zeitschriften wie der „Focus“ von Zuständen zu berichten, die sich „Im Zweifel gegen die Männer“ richten, und selbst die TAZ schafft es, am Weltfrauentag 2010 ein 12-seitiges „Männer-Special“ zu bringen. Die realpolitischen und in der Gesellschaft verankerten Strukturen reichen für sich genommen schon aus, um sich – auch oder gerade als „Mann“ – mal genauer mit den Themen sex und gender – auch aus eigener persönlicher Perspektive – auseinanderzusetzen. Ein anderer Punkt, der uns zum Macker Massaker geführt hat, sind die Strukturen und Menschen in der Linken, welche oftmals weit weg von einer dringend erforderlichen antisexistischen und emanzipatorischen Theorie und Praxis zu sein scheinen.
Hier müssen wir jedoch auch etwas genauer hinschauen und auch ein Stück weit differenzieren. Antisexismus ist mittlerweile innerhalb der Linken ein vermeintlicher Konsens, welcher auf einer theoretischen Ebene zum großen Teil respektiert und umgesetzt wird. So werden Texte in der Regel gegendert, und viele politische Gruppen verstehen sich als offen für alle Geschlechter. Jedoch existieren unserer Meinung nach weiterhin Genderbarrieren, die aufgrund fehlender Reflexion der eigenen ausgrenzenden – und eben oft „männlich“ dominierten – politischen Strukturen nicht wahrgenommen werden.
Die politische Praxis bleibt jedoch oft hinter diesem Anspruch zurück. In den Gruppen wird das Thema meist nicht aufgegriffen und ausreichend diskutiert, so dass eine Reflexion des eigenen und des Gruppenverhaltens sowie der Umsetzung des eigenen Anspruchs, so dieser vorhanden ist, ausbleibt. Dies zeigt sich in vielen linken Gruppen. Als ein Beispiel sei hier auf diverse antifaschistische Gruppen bzw. Menschen innerhalb derselben verwiesen, die bei Demos oder politischen Aktionen eine Militanz an den Tag legen, die (zum Teil) durchaus einem politisch sinnvollen Zweck dient. Sie sollte aber immer wieder hinterfragt werden, da die Grenze zum “männlich” konnotierten “Mackerverhalten” dünn ist und oftmals überschritten wird. Noch kritischer wird es dann, wenn betont “mackeriges”, provozierendes und raumeinnehmendes Verhalten nicht nur sporadisch, sondern identitär und regelmäßig aufs Neue praktiziert wird. Auch Probleme bei Aufgabenverteilungen, Hierarchien, Zugangsvoraussetzungen und Zusammensetzungen von Gruppen in unterschiedlichen Bereichen werden oft wenig reflektiert oder gar nicht erst wahrgenommen.
Auch kritisch sehen wir die Tendenz, dass eine Auseinandersetzung mit Feminismen und Sexismus aktiv unterlassen und sogar verweigert wird, da diese Themen als „Nebenwidersprüche“ marginalisisert werden. Profeministische Bestrebungen und Positionen werden unter Berufung auf den „Hauptwiderspruch“ Kapitalismus diffamiert und abgelehnt, da es ja kein richtiges Leben im Falschen gebe und sich alle Unterdrückungsverhältnisse mit der Revolution auflösen würden. Selbstverständlich muss eine Kritik am Kapitalismus – auch in Hinsicht auf Geschlecht und Sexismus – stattfinden, aber da wir derzeit eine revolutionäre Umwälzung der Verhältnisse nicht sehen, haben wir auch keine Lust einfach nur darauf zu warten.
Wir wünschen uns daher eine Auseinandersetzung “männlich” definierter Menschen mit sich selbst und ihrem eigenen gender, sowie die Etablierung des Themas (Anti-)Sexismus innerhalb der politischen Theorie und Praxis, um eine tatsächliche Änderung, welche über die reine Selbstbezeichnung hinausgeht, zu erreichen. Leider ist uns immer wieder aufgefallen, dass diese Auseinandersetzung und Diskussion meist nur von FrauenLesben, Trans* und Queers, nicht aber von „Männern“ geführt und gefordert wird.

Darum:

Diese Überlegungen führten uns zur Initiative für das Macker Massaker. Wir denken, dass es allerhöchste Zeit ist, dass wir uns mit unserem eigenen gender, “männlich” sozialisiertem Verhalten sowie mit „männlichen“ Machtposition innerhalb der Gesellschaft auseinandersetzen. Wir wollen sexistische Zustände und Verhaltensweisen offen legen und über einen progressiven Umgang hiermit diskutieren. Als Gruppe vertreten wir hierbei eine queertheoretische Sichtweise und würden am liebsten die konstruierten Geschlechtsidentitäten einreißen, denken aber, dass diese Dekonstruktion nicht einfach herbei gewünscht werden kann. Wir alle werden im Alltag immer wieder als „Männer“ oder „Frauen“ (fremd)definiert – auch wenn wir selbst dies vermeiden wollen – und so in das hegemoniale gesellschaftliche Konstrukt der heteronormativen Zweigeschlechtlichkeit hinein gepresst, in welcher sex, gender und Begehren zwanghaft aufeinander bezogen werden. Diese gesellschaftliche Realität eines binären Geschlechtersystems wollen wir nicht außen vor lassen, beziehen uns deshalb, trotz queerem Anspruch, konkret auf „Männer“ und halten feministische Kritiken für notwendig. Die Queer Theory als Grund zu nehmen die Themen Feminismen und Sexismus in der politischen Praxis zu den Akten zu legen, zeugt nicht nur von Unkenntnis der Queer Theory, sondern hat auch viel zu lange funktioniert. Dies wollen wir nicht länger zulassen, denn auf praktischer, alltäglicher Ebene reproduzieren “Männer” immer wieder patriarchale Strukturen und Unterdrückungsmechanismen, auch wenn sie auf theoretischer Ebene stark kritisiert werden und liebend gerne abgeschafft werden würden. Von all den Verhältnissen, Strukturen und Mechanismen wollen auch wir uns als Orgagruppe keinesfalls freisprechen. Wir alle leben in diesen Widersprüchen und müssen mit diesen irgendwie umgehen. Aber wir wollen das Thema aufgreifen und das „irgendwie“ ersetzen.
Aufgrund der gesellschaftlichen Verhältnisse, die auch innerhalb der Linken wirken, sehen wir die Reflexion des eigenen genders, des eigenen Verhaltens und des eigenen Verständnisses als notwendig an. Dabei wollen wir nicht unterschlagen, dass auch “Männer” von der Entfremdung durch festgelegte Geschlechterrollen betroffen sind und in Konflikte mit den an sie gerichteten Erwartungen geraten können. Sie erhalten im Gegensatz zu “Frauen” allerdings eine Reihe von Privilegien, welche sie zu Hauptakteuren und -profiteuren einer patriarchal-sexistischen Gesellschaft machen – diese Privilegien können jedoch in Anbetracht intersektionaler Machtverhältnisse (Klasse, Herkunft, Schichtzugehörigkeit, Hautfarbe, Sexualität, Gesundheit, sexuelle Identität, etc.) durchaus divergieren.
Dass noch immer so viele Unterschiede zwischen den gendern gemacht werden, dass es immer noch zu einer so übermäßigen Benachteiligung aller nicht-”männlichen” Menschen kommt, dass auch wir im Alltag diese Strukturen reproduzieren, macht uns traurig und wütend. Diese Wut und diese Empfindungen sollen sich im Namen “Macker Massaker” widerspiegeln, wo bei der Begriff „Macker“ für uns kein klar definierter Terminus ist. Ebenso wollen wir etwas ironisch das Martialische an “Männlichkeiten” herausstellen, ohne dass wir uns selbst davon in elitärer Weise freisprechen könnten.

Was passiert denn da? Ich habe Angst, ein Massaker??? (Oder: Wer nicht fragt, bleibt dumm)

Wir möchten mit euch debattieren, diskutieren, uns informieren, verschiedene Sachen ausprobieren, uns selber in Frage stellen, um letzten Endes die eigene Hilflosigkeit ein Stück weit überwinden zu können und wieder handlungsfähig zu werden. Dies soll auf allen Ebenen des politischen, gesellschaftlichen und privaten Lebens in einem emanzipatorischen, profeministischen und antisexistischen Kontext geschehen und wendet sich primär an „männlich“ definierte Menschen. Vorwissen ist dabei keine Voraussetzung. Ganz im Gegenteil ist die ganze Veranstaltung diskursiv ausgelegt. Wir wollen diesen Text, den wir weiterhin als unvollständig und vorläufig begreifen, wie auch z.B. folgende Fragen zur Diskussion stellen: Wieso sind feministische Positionen (auch) für “Männer” wichtig? Wie können “Männlichkeit(en)”, mit ihren Privilegien, Rollenzuschreibungen, Nach- und Vorteilen (selbst-)kritisch reflektiert und antisexistische Praxis gefördert werden? (Wie) wäre eine emanzipatorische Zukunftsgestaltung unabhängig von Geschlechtern möglich? Wie soll ein antisexistischer Umgang mit sexualisierter Gewalt aussehen?
Das Macker Massaker soll einen Prozess in Gang bringen/fördern, in dem auch weiterführende Fragestellungen ihren Platz bekommen. Es sind alle gender herzlich eingeladen teilzunehmen, sowie an der Organisation oder als Referent_innen mitzuarbeiten!